2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern - Lebensannahme und Geburtsvorgang


Ich habe viele Brüder in Sutanen
im Süden, wo in Klöstern Lorbeer steht.
Ich weiß, wie menschlich sie Madonnen planen,
und träume oft von jungen Tizianen,
durch die der Gott in Gluten geht.
Doch wie ich mich auch in mich selber neige:
Mein Gott ist dunkel und wie ein Gewebe
von hundert Wurzeln, welche schweigsam trinken.
Nur, daß ich mich aus seiner Wärme hebe,
mehr weiß ich nicht, weil alle meine Zweige
tief unten ruhn und nur im Winde winken.
(R.M.Rilke)

„Und zu allen sprach er: Wer mir nachfolgen will, der muss Selbstverleugnung üben und täglich sein Kreuz auf sich nehmen. So allein kann er mir nachfolgen. Wer nur auf das Heil seiner Seele bedacht ist, der wird sie verlieren. Wer aber bereit ist, sie um des Ich willen zu verlieren, der wird das Heil der Seele finden.“  ( Lukasevangelium Kap. 9, Vers 23ff – Übersetzung Lic. E. Bock)
Das Kreuz als Sinnbild des Lebens, der eigentlichen Lebensaufgaben, die nur dann sinnvoll  angegangen werden können, wenn sie - trotz emotionaler Hindernisse - angenommen werden.  Wir sind - innerhalb dieser Bildserie - noch vor der Geburt zum Einzelwesen. Das goldige (reine) Geistkind, der Geistkeim – das Ich des Menschen - bejaht das Urteil, nimmt es an und erhält den   Beistand des göttlichen Geistes (hier als Vogel dargestellt).
Es gibt Forschungsergebnisse, nach denen Menschen (wenn sie nach ihrem klinischen Tod ins Leben  zurückgeholt werden konnten) ihre Biografie wie einen Panoramafilm noch einmal nacherleben.
Genauso gibt es Lehren, nach denen der Geistkeim (höheres Ich / Selbst usw.) die Grundmuster  seines Lebens als Vorentwurf - die auszuarbeiten es aufgerufen ist - vor der Geburt überblickt. Nicht  als festes «Korsett» dass alle Entscheidungen schon im Vorfeld geklärt und entschieden hat, sondern  als «Möglichkeiten» in einer mehrschichtigen Vielfalt.
Die Farben sind sehr dunkel, als Hindeuten auf den Mutterleib, und die Farbe Rot überwiegt, als  Hindeutung auf das Blut, das, nach alter symbolträchtiger Anschauung, von der werdenden Mutter 
zurückgehalten wird, um daraus den neuen Menschen zu gestalten.
Die Bildaussage weist auf: "Doch wie ich mich auch in mich selber neige: Mein Gott ist dunkel..."  des Rilketextes.

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