7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz / Reifeprüfung


Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.
(R.M.Rilke)

Der aus der inneren Wandlung und Reifung gewordene (rote) Mann (Mensch) steht in der  Auseinandersetzung von Mutter (familiärer Ursprungsfamilie und deren Traditionen) und Partnerin (deren Bedürfnissen und Persönlichkeit) und schaut auf das, was Anlage in ihm schlummert - so er die  Reife dazu hat. Es ist das erste Bild mit Gesichtern und das letze in dem die goldige Gestalt die  Hauptfigur und die einzige, wo sie doppelt dargestellt ist. Einmal am Boden (Fall) und als haltende  Gestalt hinter dem Menschen - als Symbol für den «erwachsen» gewordenen Geistkeim, der nun kein  «Keim», kein «Anfang» mehr sein sollte, sondern etwas «gewordenes», «gereiftes» und somit  «tragendes» - ohne diese würde die rote Gestalt am Boden liegen und es kann hilfreich sein, sich dies  vorzustellen. Dann wäre der Kreuzweg hier zu Ende. Dann wäre der Gottessohn wiederholt gefallen  und nicht wieder aufgestanden.
Wichtig ist ebenso die Blickrichtung = nach „unten“, das symbolisch als Richtung auf das  „Unbewusste“ dargestellt ist, aber mit „unten“ als Gegensatz zu „oben“, als „gut“ im Gegensatz zu  „böse“ nichts zu tun hat. Die weitere Entwicklung geht nun in die innere seelische, aus der heraus der  Mensch selbstbewusst und eigenständig als soziales Wesen handeln kann.
Oder, in den Worten Rilkes ausgedrückt: dich (Gott) besitzen..., um dich an alles Leben zu  verschenken" - vorher muss man jedoch - "in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich  denken", und somit den Weg nach "inne" gehen.

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