6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch / Pupertät


Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen.
Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt,
mit welchem meine Tiefe dich erkennt,
vergeudet sichs als Glanz auf ihren Rahmen.
Und meine Sinne, welche schnell erlahmen,
sind ohne Heimat und von dir getrennt.
(R.M.Rilke)

Im traditionellen Kreuzweg reicht Veronika dem Jesus ein Tuch, damit er seinen Schweiß abwischen  kann.  Die Zeit der sexuellen Reife, die Auseinandersetzung mit den eigenen Triebkräften , und den  Menschen aus dem sozialen Umfeld. Hierzu gehört auch das Geben (Tuch) und Nehmen, ebenso  wie das achten auf die Bedürfnisse des anderen (Schweiß) - Aber auch auch die Kräfte des sexuellen  Triebes die nun ins Bewusstsein treten und nicht nur körperliche Zeugungskräfte, sondern auch  Gestaltungskräfte sind, die im seelischen Bereich als Kreativität erlebt wird.
Im Bild ist die Dualität, der vorher getrennt dargestellten Aspekte des weiblichen und männlichen, in  Bezug zueinander dargestellt. Links der weibliche (Frau und blaue Kugel), rechts der männliche (rote  Pfahl und roter Ball), beides in sich getrennt durch die grüne Schlange, aber alles um die goldene  Gestalt konzipiert. In der nordischen Mythologie umschließt die Midgardschlange den «mittleren  Garten» (die Erde) und begrenzt den Bereich unserer bewussten Erfahrung. So liegen die  unpersönlichen Kräfte des allgemeinen männlichen und weiblichen Prinzips außerhalb und die  persönlichen Wahrnehmungen von Körper und «Pfahl» innerhalb des Schlangenkreises. Einerseits  ragt der «Pfahl» hinter der Gestalt auf, andererseits durchdringt dieser aber auch die weibliche Gestalt,  das weibliche Herz.
Andererseits kann die Komposition von weiblicher Gestalt und Pfahl, auch als Strahl, der vom  Herzen der Gestalt ausgeht gelesen werden. Da der kreative Prozess nur im geringsten Teil vom  Bewusstsein gesteuert oder gar getragen wird, weist die weibliche Gestalt mit ihren Anteilen, die aus  dem Schlangenring hinausweisen, auf die Anteile des Unbewussten und seinen aktiven Teil (Farbe  rot) hin. 
Was aus den Kräften gemacht wird, ob sie treibend sinnlich, oder treibend seelisch wirken,  entscheidet sich vor allem in der Zeit der Geschlechtsreife, die hier dargestellt ist - bie rein sinnlicher  Ausrichtung ist der Ausspruch Rilkes über die "Sinne, welche schnell erlahmen" durchaus  beachtenswert.

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