5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen / der Helfer - Begegnung mit dem Vater


Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.
Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall; denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds -
und sie bricht ein
ganz ohne Lärm und Laut.
Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.
(R.M.Rilke)

Im traditionellen Kreuzweg tritt Simon aus Kyrene zum strauchelnden Jesus und hilft ihm tragen  (allerdings nicht aus eigenem Antrieb).  Steht die Mutter für die sozialen Bindungen, wird hier - in dieser Bilddarstellung - der „Vater“ als  Sinnbild für die inneren Werte und Ziele verstanden (eben als der „Vater“ Christi - des Gottessohnes),  die im Innern, hier im Herzen, tragen und formen.
„Vater, der du warst, bist und sein wirst in unser aller innerstem Wesen! Dein Wesen wird in uns allen verherrlicht und hochgepriesen. Dein Reich erweitere sich in unseren Taten und in unserem Lebenswandel. Deinen Willen führen wir in der Bestätigung unseres Lebens so aus, wie du, o Vater, ihn in unser inenrstes Gemüt gelegt hast. Die Nahrung des Geistes, das Brot des Lebens, bietest du uns in Überfülle in den wechselnden Zuständen unseres Lebens. Lasse Ausgleich sein unser Erbarmen an anderen für die Sünden an unserem Wesen begangen.“ („Esoterisches Vaterunser" – nach Rudolf Steiner)
Der Vater im «in unser aller innerstem Wessen» - der aktiv, handelnde Aspekt des Göttlichen, hier im Zentrum des  Menschen, im Herzen, dargestellt. Rot - die Farbe des Blutes, das alle Einzelzellen des  Gesamtorganismus mit allen notwendigen Bestandteilen versorgt und zu einer Einheit gestaltet, und  aus der dynamischen Kraft des Herzens angetrieben wird.
Aus der Familie, der kleinen mütterlichen sozialen Gruppe, geht es hinaus in die große Gemeinschaft  der Schule und der Notwendigkeit des Lernens und Handelns. Fünf ist die Zahl der Sinne (hören,  riechen, schmecken, sehen, tasten) aus deren Informationen die Weltanschauung entsteht, die vor  allem in der Schulzeit geformt und aufgebaut wird.
Ohne den "Nachbar Gott" (Rilke) im Innern, kann diese Weltanschauung allerdings sehr Gott- und
damit auch Sinnlos werden.

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