11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt / das Annageln - das Loslassen


Du Dunkelheit, aus der ich stamme,
ich liebe dich mehr als die Flamme,
welche die Welt begrenzt,
indem sie glänzt
für irgend einen Kreis,
aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.
Aber die Dunkelheit hält alles an sich:
Gestalten und Flammen, Tiere und mich,
wie sie's errafft,
Menschen und Mächte -
(R.M.Rilke)
Was sind die wirklich schaffenden Kräfte?
Im christlichen Verständnis ist es der Heilige Geist (ruach = der hebräische Begriff ist weiblich:) die (!) „Geistkraft“ welche von Gott ausgeht, bzw die Gottnatur in Christus, die ihn die  Folterqualen durchhalten - aber auch erst „erstreben“ lässt.
Jeder Mensch ist ein „Krist-All“ Gottes,  eine Inkarnation (Fleischwerdung) des „väterlichen Weltengrundes“. Und jeder trägt diesen „Gotteskeim“, in sich, der in ihm sich seiner selbst bewusst werden will. Und bei aller Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Aufgaben und Lebensweisen, gilt:
„Ich bin der HERR (JHWH = Ich-Bin), und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die  Finsternis, ich schaffe das Heil und schaffe das Unheil. Ich bin der HERR (JHWH = Ich-Bin), der dies alles  tut.“ (Jessaja 45,6.7) //„Und der worthafte Geist (Logos) wurde selber Natur, er schlug sein Zelt auf – in  uns.“ (Johannesevangelium 1,14 )
In jedem Menschen können wir diese Herrlichkeit sehen, den „Mensch gewordenen Gott“. Gewiss  gibt es in der eigenen (roten) Triebnatur viel Dunkles und Lichtloses - aber = Im Bild sind sie  angenagelt mit goldenen Hämmern. Der Hammer des Thor galt (in der nordischen Überlieferung) als Waffe gegen die Kräfte der  Riesen (Natur- und Triebkräfte außen und im eigenen Innern) Andererseits ist die Mutter von Thor  selbst eine Riesin. In der Bilderfolge geht es nun nicht ins Licht - sondern in das dunkle „Loch“,  welches anziehend und irgendwie „saugend“ auf den Eintritt wartet.
Dieses "Dunkle", dieses "Unten" entspricht der "Mutter" des vierten Bildes, sozusagen der mit dem  Rücken nach oben umgelegten Pertho-Rune, die mit dem Geburtsvorgang, der die Frau zur Mutter   macht, in Beziehung gebracht wird: "Pertho ist stets / Spiel und Gelächter / unter kühnen Männern / wo die Frauen im Geburtssaal / glücklich beisammen sitzen."  (Runenspruch dieser Rune) Allerdings geht es hier weniger um die Geburt, sondern um den mütterlich - weiblichen Aspekt des  Unbewussten, der hier vor allem im Loslassen (der bewussten Einstellung) und Vertrauen gesehen  wird. Rilkes "Dunkelheit aus der ich stamme..."
Die gelbe Gestalt bringt mit ihrer Körperhaltung die "Nod" - Rune zum Ausdruck, die Rune der  (weiblichen) Schicksalsmächte (Nornen)

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