1. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt  (Gericht und Anfang)


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(R.M.Rilke)

Ganz am Beginne eines jeglichen Lebensprozesses steht eine Gericht = ein Beschluss der etwas richtet,  ausrichtet, und dabei auf einen anderen Lebensprozess aufbaut. Im traditionellen Kreuzweg ist dies das  Leben Jesus Christi als Gottessohn und die damit zusammenhängende Herausforderung der  bestehenden religiösen Machtverhältnisse. Die Vertreter der religiösen und politischen Macht verurteilen den Rabbi Jesus.
Nach traditioneller christlicher Anschauung ist es Gott, der jedem Menschen seinen Platz im Leben, in der Gesellschaft, der Zeit, der Familie (usw) zuordnet, zurichtet. Anhänger der asiatischen  Religionen, sehen den Beginn des neuen Lebens als Ende des alten an und betrachten den Platz, der  im Leben eingenommen wird als Resultat (Gericht) des vorhergegangenen. Welches Anschauung  hier genommen wird (oder auch eine andere) muss der Betrachtende für sich selber entscheiden.
Grundlage dieser Bildbetrachtung, ist die Annahme, dass kein Zufall für mein Leben entscheidend ist, sondern ein Beschluss, der sich an den Notwendigkeiten des göttlichen Lebens (dessen Teil ein  jeder von uns ist - oder an dem Tun eines karmischen Vorgängers , der wir ja nicht selber sind) orientiert.
Drei Gestalten sind in den Grundfarben blau, grün und rot in dominierender Pose dargestellt: Das  Christentum kennt die Trinität (Vater, Sohn, heiliger Geist), das Heidentum kannte drei Nornen  (Urd, Werdandel und Skuld), die Zeit kennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Oder auch:
Werden (Entstehen, Zeugen) Sein (Geburt und Da - Sein) Vergehen (Verblühen, Erneuern).
Die vier schwarzen Gestalten im Hintergrund weisen auf den Raum, die vier Himmelsrichtungen,  auf den Ort „Erde“ in dem das Drama spielen wird - und Rilkes Text auf das "umkreisen Gottes" seit  Ewigkeiten.

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