8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen - die Nornen (Schicksalmächte)


Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht.
Man fühlt den Wind von einem großen Blatt,
das Gott und du und ich beschrieben hat
und das sich hoch in fremden Händen dreht.
Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite,
auf der noch Alles werden kann.
Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite
und sehn einander dunkel an.
(R.M.Rilke)

Im traditionellen Kreuzweg begegnet hier Jesus den weinenden und trauernden Frauen.
Der Weg nach inne, ist der Weg des „Brunnens“ (Frau Holle) des Absteigens in die Welt des  Unbewussten und die Auseinandersetzung mit den dort waltenden Kräften. Die Frage nach dem Sinn  des Lebens, des eigenen Schicksals, der eigenen Aufgabe. Dargestellt, wurde dies an den drei Nornen.  Den Sinnbildern der Vergangenheit (Urd - Ursprung) der Gegenwart (Werdandel - Werdezeit) und  der Zukunft (Skuld - Schuld). Aus der Vergangenheit kommen die Impulse und Verstrickungen, die  die Gegenwart gestalten und so wie diese erlebt und in dieser gehandelt wird, entstehen „Schulden“  (an anderen, in der eigenen Seelenlandschaft) aus denen wieder neue Ereignisse entstehen, eine neue  Gegenwart, in der wieder entschieden und gehandelt wird. Und das eine ist mit dem anderen (durch  die Gegenwart) miteinander verbunden - und diese ist der "Ort der Freiheit". Nur in der Gegenwart kann das Ich bewusst sich so entscheiden, wie es seinem Selbstbewusstsein entspricht. Ist das Ich gefangen in seine seelischen Muster, ist es der "Sklave seiner Seele"...
Hier beginnt ein neuer Zyklus:
(siehe "Eingang")
Es ist ein Anfang und ein Neubeginn, hinter dem die bewusste Entscheidung, diesen Weg zu gehen, liegt. Wer sich darauf einlässt, beginnt mit einer «Neuschöpfung» der eigenen Seelenlandschaft, ist  allerdings bei diesem «Gerichtsentscheid» Richter und Angeklagter zugleich = mit Rilkes Worten:
"Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite und sehn einander dunkel an."  Die drei Frauen sind im Bild als Brunnen dargestellt, in dem sich die grün-gelbe Gestalt als goldene  Schablone widerspiegelt. Diese trägt wiederum das Kreuz über ihrem Herzen. Die Bildkomposition  bleibt in der klassischen Zuordnung: linke Seite und rechte Seite, so wie blaue und rote Farbe  entsprechen der Aufteilung in weiblich und männlich. Oben die Sonne und unten die Erde.


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