Die symbolischen Grundlagen des Bildes entstammen der europäischen Mythologie. In der Mitte die "Große Mutter", Mutter Natur, Midgart - die Menschenwelt. Links die Mächte des Chaos, des Feuers, des Ursprungs und des Endes. Rechts der Weltenbaum (Yggdrasil) als Symbol der Bewusstseinsstruktur des Kosmos.
Ebenso entsprechen die drei Bereiche den drei nordischen Göttergeschlechtern: Links die Thursen (die Mächte der anorganischen Welt), in der Mitte die Wanen (die Mächte der Vegetation, der Lebensprozesse und der Emotionen) und rechts die Asen (die Mächte des Bewusstsein)
Und wird das dreistöckige schamanische Weltbild einbezogen, dann stellt Links die Unterwelt dar, die Mitte Mittelwelt (Midgart - die Menschenwelt) und Rechts die Oberwelt.
Oder im christlichen Sinne:
Aus dem Vater sind wir geboren (links)
Mit Christus sterben wir (Mitte)
In der Heiligen Geistkraft erstehen wir neu (rechts)




In der nordischen Mythologie (Edda) beginnt die Schöpfung mit den Thursen, oder den anorganischen Prozessen von Gravitation, Stoff, Anziehung und Abstoßung, Dichte und Leichte, den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Eis. Der erste Gott, der namentlich erwähnt wird ist Surtr (der Dunkle), der Herrscher von Muspelheim, der Feuerwelt. Dieser gegenüber befand sich die Eiswelt Niflhel und in dieser ein Brunnen, aus dem zwölf Flüsse strömten, die ins Ginungagap (Leere, Nichts) flossen und dort zu Eis wurden. Aus Muspelheim flogen Feuerfunken herüber, aus der Starre des Eises wurde ein Prozess (Wasser und Wasserdampf) und Ymir, der Urriese wurde geboren. Von ihm stammen nicht nur die Wanen und Asen ab, sondern er ist es, in dem wir leben. Aus Ymir schufen die Götter die Welt.Oder: die anorganischen Kräfte sind der Ursprung und die Grundlage unseres Kosmos.
Dieser Kosmos unterliegt den Gesetzmäßigkeiten des Entstehens - Werdens - Vergehens (zu neuem Entstehen). Jede Pflanze, jedes Tier, Plantensystem und Mensch, also jede Form (ebenso Organe, Gefühle, Gedanken) entstehen, werden und vergehen. Ein Symbol des "Vergehens" ist in der nordischen Mythologie der Fenriswolf. Er wird (unter der Leitung von Surtr) die Welt (und die darin verstrickten Götter) zerstören - damit eine neue Welt entstehen kann. Zum Mythos von Fenrir gehört aber auch das Werden und das ist im grünen Pfeil dargestellt. Es ist die Rune TeiwaR, die Rune des alten Himmelsgottes Tyr, oder Ziu. In diesem Mythos wird der Wolf gebunden, weil die Götter Angst vor ihm haben. Aber alle Fesseln reißen, bis sie eine ganz besondere erschaffen, aber der Wolf will sich diese nicht anlegen lassen. Da erklärt sich Ziu bereit, seine rechte Hand in das Maul des Wolfes zu legen, während er gefesselt wird. Und der Wolf vertraut ihm. Und als die Fessel ihren Zweck erfüllt, beißt er dem Gott die rechte Hand ab. Darauf wurde aus dem alten Kriegs- und Himmelsgott Ziu der Gott der Ordnung, der Rechtsprechung (Thing) und der Kosmos bekam seine Gesetzmäßigkeiten. Zius Vater war ein Thurse, er gehörte also zum Geschlecht der Thursen - was das Vertrauen des Wolfes erklärt.
Das Bild zeigt das Entstehen und wieder Vergehen dieses Kosmos aus den anorganischen Mächten und Kräften auf, die in den Thursen personifiziert werden und die Grundlagen des Lebens sind.

Texte zur indo-europäischen Kosmologie

Im Bild das "Große Leben", die "Mutter Erde", In der geboren und gestorben wird, die Pflanzen wachsen und der Mensch als psycho-somatische Einheit (Körper und Seele) lebt darin. Midgart - die schamanische Mittelwelt. Und somit die Welt des EGO's. Das EGO ensteht (nach meiner Sicht) als Bewusstseinszentrum innerhalb der Seele und wird durch die soziale Umwelt (ab der Entstehung im mütterlichen Schoß) geprägt und ist die Reaktion der Seele auf all die Anforderungen, die das "Leben" an sie stellt. Dazu gehören auch die Verhaltensmuster, die für bestimmte Lebenssituationen notwendig sind und richtig, aber in anderen nicht. oder nicht mehr gebraucht werden und ins Unterbewusstsein absinken und von dort ihr "Unwesen" treiben (können). Der natürliche Mensch im Kosmos. Das EGO ist (für mich) also kein negativer Begriff. Jeder Mensch wird geboren und stirbt, hat eine bestimmte Aufgabe innerhalb der Gemeinschaft in der er lebt und die er  mitgestaltet - aus seinem EGO heraus.
Geburt und Tod sind in der Frauengestalt  mit Kind und im großen Leichnam, der die Menschenwelt umspannt, dargestellt. Das Wachsen und Reifen des Menschen in der menschlichen Gestalt mit dem treibenden Stab. (Der Stab symbolisiert das "Rückgrad" und somit die Struktur und Festigkeit der Persönlichkeit.)
Die untere Gestalt weist schon auf den nächsten Abschnitt, es ist der Weg, der aus den Grenzen des EGO's hinausführt und im Christentum mit dem Heiligen Geist bezeichnet wird. Im Schamanismus ist es die Kontaktaufnahme mit dem eigenen Krafttier. Leider sind in den Evangelien nicht die Vorbereitungsrituale der Taufe Jesu aufgezeichnet, aber aus alten Texten und heutiger schamanischer Praxis wissen wir, das dies durchaus mit einer Taufe (Untertauchen bis kurz vor dem Ersticken) praktiziert wurde. Der "Heilige Geist" ist keine Person, das Wort "ruach", oder auch "pneuma" (das griechische Wort wird in den griechischen medizinischen Texten auch für die "Lebenskraft" benutzt) bezeichnet eine Kraft, Geistkraft, Lebenskraft und kann auch mit Chi, oder Ki übersetzt werden. Im Alten Testament ist diese ruach eine Kraft, die von einem Eloha (Gott) ausgeht (das waren im umgebenden Kanaan, zu den hochstehende Kulturen, wie die Phönizier - Karthago - gehörten, Götter und Göttinen, wie Baal und Astarte) und dort war die Taube ein Atribut der Astarte, oder Astarot. (Im AT wird der Taube die Liebe zugeordnet) Die untere Bildszene stellt also die schamanische Form der "Kontaktaufnahme" zu den Göttern, und somit den handelnden Bewusstseinformen dar, die zum Selbst-Bewusstsein (ICH-BIN) gekommen sind.

Die Lieder-Edda online

Odin hing neun Nächte im Weltenbaum (als Selbstopfer) und als er herunterfiel, fand er die Runen. Die Runen sind Schriftzeichen, dienen also dem Wort, der Sinngebung, der bewussten Gestaltung - also der "Bewusstwerdung aus sich selbst heraus". Mit Worten und Begriffen kann das EGO seine Welt gestalten. Im Christentum entspricht dies der Verknüpfung des Schamanen (oder Magiers) Jesu mit dem "Logos", dem Weltenwort (Johannesprolog). Der Weltenbaum dient in der nordischen Mythologie als Sinnbild für die organische Einheit der Welt, dem "übergeordneten" oder allem zu Grunde liegendem Bewusstsein. Also das, was im Christentum mit "Vatergott" bezeichnet wird (der (!) Baum), währen die Lebensprozesse (Pflanzen, Tiere und Menschen) zur Großen Mutter gehören. Somit verbindet sich Odin mit diesem Bewusstsein und er wird zum Allvater, zum Gott der Dichter (und Denker), der Rede-Magie (Galdhr) und zum großen Wanderer (der Wissen sammelt)
Im christlichen Sinne die Öffnung des EGO's für Gott. Leider wird im traditionellen Christentum dieser Prozess eher als "feindliche Übernahme" des EGO durch einen Gott praktiziert und nicht als Bewusstseinsentwicklung vom EGO zum ICH-BIN (in der christlichen Mystik, in der alten und modernen Gnosis, in der Neuofffenbarung (Lorber, Swedenborg, schon eher.)
Im Bild wird dies mit den Symbolen der Schlange und dem (Schlangen-) Ei dargestellt. Die Schlange wird im Christentum als die Ursache dafür verstanden, das der Mensch zu Eigenständigkeit und Freiheit gelangen konnte (Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und dem damit verbundenen "Sündenfall" in die Eigenständigkeit), im Hinduismus steht sie für die Grundernergie (Kundalini-Schlange) welche im Wurzelchakra ruht und durch die Chakrenarbeit "erweckt" werden kann. Also der Weg der "Erleuchtung". Auch die Häutung steht für Wandlung. Das Ei für die Frucht, für das Neue, das aber noch nicht sichtbar ist.
Das linke blaue Ei stellt das menschliche EGO dar. Der grüne Pfeil ist die gedrehte TeiwaR Rune und symbolisiert die Große Mutter als Ziwa (der Frau des alten Himmelsgottes Ziu). Im Gesamtbild wird sie von der Schlange umwunden, die aus den Beinen des Leichnames wächst. Aus dem Ei schlüpft die grüne Schlange, welche sich zum Göttlichen Selbst-Bewusstsein wendet und dort ihre Frucht anschaut - und somit wird aus dem EGO das ICH-BIN, das mit dem kosmischen ICH-BIN verbunden ist. (Kann man im Johannesevangelium sehr schön nachlesen)
Während das linke Bild vor allem das Entstehen behandelt, so das mittlere das Werden und das rechte das "Vergehen" des EGO in eine Neues hinein.

Die Prosa - Edda online



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