Die SELIG - Preisungen


Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg.
Und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

Ihr seid das Salz der Erde.
Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?

Ihr seid das Licht der Welt.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

(Evangelium nach Matthäus Kap. 5, 1 - 16)
alle (nicht anders gekennzeichneten) Bibelzitate: Lutherübersetzung rev. 2017

Ihr seid: Das Salz der Erde


Ihr seid: Das Licht der Welt



SELIG
sind die






geistlich Armen
Leid-Tragenden
Sanft-Mütigen
Gerechten




Barm-Herzigen
reinen Herzens
Friedvollen
Verfolgten


Im Zusammenhang gelesen sind die Seligpreisungen die Eingangsworte zur Bergpredigt, die kompositorisch innerhalb des Evangeliums der Gesetzgebung Jahwes am Berg Sinai entspricht und die grundlegenden Lehren nicht nur enthält, sondern auch auf die Gesetzgebung des AT Bezug nimmt. Und, was häufig überlesen wird, auf dem Berg sind nur die (engsten) Schüler (Jünger) des Rabbi, so wie auf dem Berg Sinai nur Mose ist. Das Volk befindet sich auch hier "unten am Berg". In spiritueller Sicht ist die Bergpredigt also nicht für "das Volk" gedacht, sondern für die Schüler des Rabbi, dem Nachfolger Jesu und so haben auch die Seligpreisungen ihren Sinn in einer "speziellen Unterweisung" der Nachfolger - und taugen wenig als Missionsaufruf an alle. Sie sind ein Stufenweg, ein spiritueller Pfad, der zur bewussten Wahrnehmung der inneren Prozesse - also eine Art "Helweg" (Schattenarbeit) - führen kann.

SELIG

das Adjektiv = "wohlgeartet, gut, heilsam, tauglich, gütig" / das Substantiv = "Güte, Glück, Segen, Heil" weist auf innerseelische Wertigkeit und innerseelischen Reichtum hin. "Selig sind..." kann also auch mit "tauglich sind...", "heilsam sind...", oder "wohlgeartet sind..." übersetzt werden. Somit weisen die Preisungen auf die grundlegenden Eigenschaften hin, die vorhanden sein müssen, um die Bergpredigt zu verstehen und zu praktizieren.



A - der Weg



"Tauglich sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich"

Mit "geistlich" ist nicht der Verstand gemeint und die "geistlich armen" sind auch nicht die Naiven und Dummen. Geist (pneuma, ruach) ist die bewegende Kraft Gottes - der "Odem" Gottes. Im AT (1. Mose 2,7) gibt diesen der jüdische Stammesgott Jahwe - in der nordischen Edda ist es Odin (Wodan). Ruach (im griechischen pneuma) und Odem (Atem) bedeuten auch Wind, Luft und symbolisieren die Kraft, deren Ursache nicht wahrgenommen wird. Das hinter dieser Kraft "außermenschliche" Bewusstseinsformen wirken ist im Epheserbrief so ausgedrückt:

"Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gewandelt seid nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams. Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern." (2,1-3)

Die "geistlich" Armen sind arm an "geistlichen Einflüssen" und Bindungen. Hier trifft das Gleiche zu, wie bei einem "Reichen":
"Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme." (Matth 19, 23.24)
Es sind die Bindungen an die Welt, egal ob sie körperlicher, oder geistiger Natur sind.

Bild: Drei Wesen, in deren Kopf jeweils eine Rune gezeichnet ist.
Links oben "Fehu" - für die weltliche Schöpfung / rechts oben "TeiwaR" - für die Ordnungen dieser Welt / unten "HagalaR" - für die Unterwelt. Es sind die drei Aetts im gemeingermanischen Futhark.
Diese drei "geistigen Aspekte" stehen für die geistlichen Einflüsse und den geistlichen "Reichtum" nach der "Art dieser Welt" und sie binden und halten zwei Menschen. Die "geistlich Reichen"

In der Mitte ist der "Arme", der sich abgelöst hat von diesen Einflüssen und auf den eigenen Odem, seinen eigenen Geist achtet, der ihm von Gott gegeben wurde und der ihn mit diesem Gott verbindet.

Aus heutiger hermetischer Sicht: das höhere Selbst des Menschen, der "Vater" und "Gott" der menschlichen Einzelseele zwischen Geburt und Tod, deren Essenz sich dann wieder mit ihrem Vater vereint.

Tauglich sind die, welche an geistlichen Einflüssen und Abhängigkeiten arm sind, denn sie finden ihr Himmelsreich in sich selbst.







Tauglich sind, die die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Zu den Runen: Von links nach rechts
MannaR (M) = der Mensch in der sozialen Gemeinschaft
EihwaR (ei) = der Weltenbaum und somit das Streben des Bewusstseins nach oben und unten
NaudhiR (n) = die Not, aber auch die Notwende, die Rune der Nornen (Schicksal)
EhwaR (e) = die Triebe und Leidenschaften.
Zusammen = MEINE.

Also die Last der eigenen Verflechtungen aus dem seelischen Zentrum, dem EGO. Das Erdenleid somit als das, was aus der eigenen "Meintat" - auf das "Meine" bezogen - entsteht. Im Heliand (der sächsischen Evangelienharmonie aus dem 8. Jahrhundert) werden die Taten, die den Menschen verschulden und aus der Absonderung (Sünde) entstehen immer "Meintat" genannt.
Der Trost ist zweifach = haltend und beruhigend und aus dem, was in der ersten Selig-Preisung als "höheres Selbst", "Vater und Gott" der Einzelseele und deren Zentrum, dem EGO zu Grunde liegt. Das eigentliche geistliche Wesen des Menschen, sein "Ich-Bin"
Aus der Sonderung von EGO und Ich-Bin entsteht die Last, die als "Leid" erlebt wird und nur das Ertragen des selbst-verursachten Leides, gelingt dessen Lösung.





"Tauglich sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen"

Zu den Runen:
In der Sonne die Sowilo (Stärke, Mut, Sieg).
in der Hand der Gestalt die Wunjo (Freude, Harmonie, Friede und Freude)
links die ThurisaR (Naturgewalten, Kampf, Auseinandersetzungen)

Sanftmut bedeutet - nach meiner Auffassung - keine Passivität oder Gleichmut, sondern das kraftvolle, mutige Eintreten und handeln, aber eben sanft, rücksichtsvoll und sacht.
Die Gestalt hält die Frucht des Getreides den personifizierten Naturgewalten entgegen, die in der nordischen Mythologie als Thursen personifiziert werden und für all die anorganischen Prozesse stehen, aus der die organischen entstehen. Aber Gravitation, Kälte, Hitze usw sind nicht nur die Grundlage, sondern auch der Feind der lebendigen Welt. Daher sind in allen heidnischen Mythen die Götter gegen die Riesen (Titanen usw) im Kampf.
Im Bild ist jedoch die Freude (Wunjo) dargestellt, die sich einstellt, wenn eine Aufgabe erfüllt, ein Ziel erreicht ist. Mutig und sanft.
Die Sonne mit der Sowilo-Rune symbolisiert das Ich-Bin der Menschenseele.


Unten eine fruchtbare Landschaft - das "Erdenreich", oder "Midgart", das Mittelreich, in dem die Ordnung des Lebens siegt.
Auf den Menschen bezogen: so wie in der Natur der Wald gerodet, die Felder bebaut und behütet sein müssen, so auch der Bewusstseinsraum in der menschlichen Seele. Und dazu gehört Mut, sanfter Mut - keiner der zerstört.






"
Tauglich sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden."

im jüdischen Verständnis ist der Gerechte derjenige, welcher die Thora (das Gesetz) erfüllt. Im deutschen kommt "gerecht", von recht (richtig, aufrichten, gerade sein, richten, lenken, führen herrschen) also sich aufrichten, beherrschen und führen. Nach Gerechtigkeit zu dürsten und zu hungern wäre demnach ein notwendiges Grundbedürfnis der Seele wenn sie in ihrem Bewusstsein eigenständig und handlungsfähig sein möchte.

Die Runen:
in der Sonne die Perthro (Kessel, Weisheit, Geburt),
im Arm die AnsuR (Geist, Inspiration, Segen) und
im Herzzentrum die Jera (Ernte, Jahreskreis, Zyklus)

Während die mittlere Gestalt sich aufrichtet - also dürstet und hungert nach Gerechtigkeit - bleiben die beiden anderen unten. Die gestürzte Perthro ist leer und die rechte Gestalt gebunden.

Luthers Hauptsatz: "So halten wir nun dafür, das der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben."(Römerbrief 3, 28), ist leider durch die Erfindung des Wörtchens "allein" eine Manipulation. Aber er klingt auch ohne dieses Wort sehr sinnig: "Wir kommen zu dem Schluss, dass Menschen auf Grund ihres Vertrauens gerecht gesprochen werden - ohne das die ganze Thora getan wurde."  (BigS) Nicht das Befolgen von Geboten, Anweisungen, Gesetzen, sondern das innere "Vertrauen" (Glaube) an das "Rechte" und "Richtige" im Kosmos und Menschenseele (das innerseelische Ich-Bin ist Teil des kosmischen Ich-Bin) und das damit verbundene "aufrichten" - vertrauen - macht den Menschen zum "Gerechten".







"Tauglich sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen"

Das Wort "erbamen" stammt aus der gotischen Kirchensprache und bedeutet: "Aus der Not befreien" also ein aktives Tun. "Barmherzig" ist also weniger ein "Mitfühlen" und "Mitleiden", sondern eine innere Einstellung die aktiv eingreift. Im Bild die braune Gestalt, welche die Fesseln der blauen abnimmt.

Zu den Runen:
Im zentralen grünen Kreis: MannaR (der Mensch in der sozialen Gemeinschaft),
darunter die Gebo (Geben und Nehmen) und die KennaR (Können, Kreativität) und
die grüne TiwaR steht für Gerechtigkeit, Recht und Ordnung.

Diese Preisung führt zum sozialen Umfeld (MannaR) dem Geben und Nehmen in der menschlichen Gemeinschaft und die Fähigkeit des aktiven Tuns (KennaR). Im Bild ist eine braune Gestalt das Zentrum, die - verbunden mit dem Herzen - eine andere Gestalt von ihren Fesseln befreit. Das Herz symbolisiert in der Bibel nicht nur das Zentrum der Gefühle, sondern auch das "Innen" als solches. Und nur wer im "Innen" vom "Innen" des anderen erfasst wird, kann dieses verstehen, mitfühlen und auch befreien.

"
Was hilft's, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was hilft ihnen das? So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber. Aber es könnte jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken. Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben's auch und zittern. Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist" (Jakobusbrief 2, 14 - 20)





"Tauglich sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen"

"Und Jesus sprach: was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein." (Markusevangelium 7, 20 - 23)

"Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist." (Psalm 51,12)

Im Bild ist der Mensch in seinem Inneren dargestellt. Sein Zentrum richtet sich aus nach der (geistigen) Sonne. Die DaggaR - Rune symbolisiert den Tag, den Anfang, den Durchbruch zum Licht. Der Baum - als Weltenbaum - steht für den organischen (göttlichen) Kosmos und die Quelle bringt das hervor, was nach "außen" kommt. Der untere Bereich zeigt dieses Außen, ebenso geordnet wie das "Inne" und dessen Zentrum zeigt die iNG-Rune (Frucht und Keim gleichzeitig)





"Tauglich sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen."

"Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neid und Streit in eurem Herzen, so rühmt euch nicht und lügt nicht der Wahrheit zuwider. Das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern sie ist irdisch, menschlich und teuflisch. Denn wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge. Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften." (Jakobus 3, 13 - 18)

Im Bild symbolisiert das Tragen des Kindes den "guten Wandel und seine Werke". Der Friede entsteht nicht durch eine meditative und sich aus dem Leben herausnehmende passive Spiritualität - sondern durch aktives und hilfsbereites Handeln.





"Tauglich sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich"

"Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, dass ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfangt. Denn er spricht (Jesaja 49,8): »Ich habe dich zur willkommenen Zeit erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.« Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit dieser Dienst nicht verlästert werde; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben" (2. Korintherbrief 6, 1 - 10)

Der "Schmelztiegel" des Schicksals, all die Prüfungen, Hemmnisse und Schwierigkeiten, die den Wandlungsprozess der Seele erst hervorbringen. Und dieser Prozess wird erst einsetzen und sich entwickeln, wenn dieses "Schicksal" nicht mehr als Zufall oder selbst verschuldet wahrgenommen wird. Sondern aus der "Gerechtigkeit" Gottes heraus - die im Bild als blaue Gestalt dargestellt ist.







Der 2. Petrusbrief Kap 1, 3  -11) gibt in seinem ersten Kapitel eine gute Einführung in die Bewusstseinshaltung der Seligpreisungen:

 
Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. Durch sie sind uns die kostbaren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr durch sie Anteil bekommt an der göttlichen Natur, wenn ihr der Vergänglichkeit entflieht, die durch Begierde in der Welt ist.

So wendet allen Fleiß daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit (Selbstbeherrschung) und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit und in der Frömmigkeit Brüderlichkeit (Mitmenschlichkeit) und in der Brüderlichkeit die Liebe.

Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird's euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden. Darum, Brüder und Schwestern, bemüht euch umso eifriger, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr niemals straucheln, und so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilands Jesus Christus.





B - Das Ziel





"Ihr seid das Salz der Erde.
Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?
Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es weg schüttet und lässt es von den Leuten zertreten."
(Matth. 5,13)

Das Salz war das erste "Gold" (das weiße Gold) der Menschheit. In Europa entwickelten sich die Handelsrouten anhand der alten Salzstraßen. Salz diente nicht nur dem Geschmack, sondern auch der Haltbarmachung von Fleisch, durch Salz kann Gemüse rascher gekocht werden und in vielen Kulturen wurde mit Salz bezahlt (der "Sälar"). Salz ist zudem ein Kristall.

Wenn die Jünger als das "Salz der Erde" bezeichnet werden, dann kann die Erde und ihr Sein nicht so furchtbar sündhaft und abgefallen sein, wie sie in der kirchlichen Tradition dargestellt wird. In der christlichen Mystik wurde dagegen immer die Notwendigkeit unseres Erdenlebens betont. Seine Aufgaben und seine Herausforderung ebenso, wie die Erkenntnis, das Gott in der Schöpfung lebt und nichts in der Schöpfung ohne Gott existieren kann.

Das Bild zeigt den Menschen in seiner "Erd-Verwurzelung". In der nordischen Mythologie wird der Mensch aus zwei Bäumen geschaffen (und nicht aus Lehm). Der lebendige Organismus (die psycho-somatische Einheit von Körper und Seele) ist die Grundlage des menschlichen Seins. Wie ein Baum (das religiöse Zentralbild der nordischen Mythologie war die "Yggdrasil" - der Weltenbaum), so strebt auch der Mensch nach oben. Er ist das einzige Tier, das sich aufrichten kann. Das ist als Baumstamm und als Schlange dargestellt, die sich nach oben windet: "Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige (äonische) Leben haben." (Johannes 3. 14.15).
Die Schlange als Ausdruck der "chtonischen" Kräfte, der Triebe und Leidenschaften findet sich "oben" im Herzen wieder und wird von den Händen gehalten. Es ist der Weg der "Schattenarbeit", das Heraufheben der unterbewussten Abläufe ins Bewusstsein.
Der kleine und der große Kreis, mit den beiden Strahlen, zeigt den geistigen Aspekt des Menschen, das "Himmelreich" (siehe oben), das außerhalb und inwendig ist. "Inwendig" kann es allerdings nur sein, wenn es eine stoffliche Form gibt, in der es sein kann.

Impuls und Form, Geist und Stoff sind die beiden Urkräfte (Yang und Yin) innerhalb derer die Welt entsteht. Man kann sie auch Himmelsvater und Erdmutter, Geist und Fleisch, oder Gott und Teufel nennen - und einen Aspekt verdammen - aber beides sind Grundkräfte unseres Kosmos.

Das Salz gehört zum Erdaspkt, es "würzt" das Leben und dient der Nahrungsverarbeitung und der Nahrungsaufnahme. Ohne Nahrungsaufnahme kein stofflicher Körper, kein Erdenleben, kein Menschsein.







"Ihr seid das Licht der Welt.
Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter;
so leuchtet es allen, die im Hause sind.So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten,
damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen"
(Matth 5, 14 - 16)

Im Text geht es um das Sichtbar-Werden und das Sich-Zeigen. Das Bild zeigt den Aufrichte- und Lösungsprozess von äußeren Bindungen.. Unten das Verbeugen vor einem Idol, Götzen, Liebes-Objekt oder äußerer Macht. (Der Rucksack zeigt die inneren Bindungen - die Be-Lastungen die dadurch entstehen) In der Mitte das Bewusstwerden und Wahrnehmen der inneren Möglichkeiten, Kräfte und Mächte - also des inneren Lichtes. Und die aufrechte Gestalt, das selbständige und eigenständig handelnde Selbstbewusstsein (Ich-Bin). Der Rucksack liegt unten und der Hammer (Mjöllnir - das Machtsymbol des Gottes Donnar) symbolisiert die Fähigkeit sich durchzusetzen und handlungsfähig zu sein. Das Licht im Bild weißt auf den "Vater im Himmel".


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