Was ist mir wichtig?

In und aus meinem Bewusstsein heraus eigenständig und handlungsfähig zu sein

Ich bin ein lebensfroher End-Fünfziger, der sich gern in der Natur aufhält, und seine Interessen lebt: Malerei, Meditation, Wanderungen mit Hund, dem äußeren Naturerleben, dem Erleben der inneren Natur, und dabei mit einer einfachen Lebensweise zurechtkommt. Allerdings bin ich genauso kommunikationsfähig, arbeite in einem sozialen Beruf und ich sehe den Sinn und die Aufgabe meiner Spiritualität nicht als Weltflucht, sondern als Weltbewältigung.

Eigenständigkeit und die Fähigkeit über sich selbst zu reflektieren sind für mich die Grundlage für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Es muss (und sollte) nicht immer glückselig und ohne Anstrengung sein, da erst die Herausforderung und Schwierigkeiten uns zum "umdenken" und "umleben" bringen - zu Änderungen von Verhaltensmustern und hemmenden Lebenseinstellungen. Das einzig "Ewige" im Leben, ist die Veränderung im Innen und im Außen und die Kunst des Lebens besteht (nach meiner Wahrnehmung) darin, beides in Einklang zu bringen.
Krankheiten, oder schwierige Lebenssituationen, haben durchaus ihren Sinn, und das Annehmen und Durchtragen einer solchen "Leidenszeit", erzeugt oftmals innere Stärke und tiefes Vertrauen in die Lebenszusammenhänge.  Aber dazu benötigt der Mensch einen "inneren Kompass" und eine Lebenslandkarte mit tragenden Werten. Diese können (und sollten sich) im Laufe des Lebens wandeln und den Realitäten des Lebens entsprechen.
Meine Werte orientieren sich an dem, was sich mir innerhalb meiner Biografie als sinnvoll und tragend erwiesen hat. Das waren christliche, anthroposophische, buddhistische und schamanische Schulungswege. Keine Übernahme religiöser Vorschriften, sondern die eigene Erfahrung der damit verbundenen Glaubens- und Lebenspraxis.


Die Darstellungen (textlich und bildlich) sind Verarbeitungen meiner persönlichen Erfahrungen, Denkprozesse und Praxis. Sie wollen keine Belehrung oder ein Lehrsystem sein, sondern einfach anderen die Möglichkeit geben ihren eigenen Denk- und Verarbeitungsprozess damit zu erweitern. Nachfragen und Austausch gern unter folgenden Kontaktmöglichkeiten:





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In der modernen Esoterik geht es vor allem um die Selbstliebe, das Ausleben der eigenen Wünsche und Gefühle und eine subjektive Weltsicht. Ich persönlich empfinde diese Form der Spiritualität eher als seelische Pupertät und stelle hier einen Fremdtext ein. Otto J. Hartmann hat eine (auf anthroposophischer Grundlage) geisteswissenschaftliche Naturkunde entwickelt, die Spiritualität und objetive Realität miteinander verbindet.

Freiheit und Selbst-Bewusstsein
(Otto J. Hartmann „Der Mensch als Selbstgestalter seines Schicksals“)

Zunächst glauben viele Menschen, „Freiheit“ bestehe lediglich in der von äußeren Störungen oder von äußerem Zwang freien Entfaltung eines Wesens. Eine Pflanze sei also frei, wenn sie ungehindert wächst, ein Tier frei, wenn es sich ungehindert bewegt und seinen Trieben nachgeht, ein Mensch frei, wenn er sein Temperament und seine Absichten ungehindert auslebt Eine kurze Überlegung zeigt jedoch, dass in allen diesen Fällen von wahrer Freiheit nicht die Rede ist, weil hier überall die größte nur mögliche Gebundenheit eines Wesens besteht: nämlich durch die eigene Beschaffenheit. Eine Pflanze muss so wachsen, ein Tier sich so bewegen, ein Mensch zunächst sich so verhalten, wie sie sind. Die Lebens-Äußerungen sind also unfrei, weil sie nur Ausdruck des jeweiligen Wesens sind, das Wesen aber ist unfrei, weil es eben es selbst und kein anderes, mithin an sich selbst gebunden ist.

Gerade das Freisein von allen äußeren Nötigungen macht also die Urnötigung sichtbar, welche ein Wesen infolge seiner Wesensart in sich selber trägt. Und diese Urgebundenheit ist unübersteiglich, solange ein Wesen nur einfach es selbst ist und mit sich selbst identisch. Ein Wesen müsste demnach irgendwie aufhören es selbst zu sein, es müsste sich selbst übersteigen und über sich selbst hinausgelangen, es müsste von sich selbst und von allen seinen Charaktereigenschaften frei werden können, um im strengsten Sinne „frei“, d. h. nicht mehr an sich selbst gebunden zu sein. Aber das ist ja heller Wahnsinn und solcher Wahnsinn ist unmöglich – wird man sagen. Und doch! Es ist nicht nur möglich, sondern sogar, und in einer uns allen wohlvertrauten Tatsache, wirklich, - und diese Tatsache ist das menschliche Selbst-Bewusstsein.

Bewusstsein besitzt auch ein Tier, z.B. ein Eichhorn. Es erlebt, genauso wie auch der Mensch, seine Sym- und Anthipatien, seine Triebimpulse sowie Zustände seines Leibes (Hunger, Durst, Krankheit) und seiner Seele (Furcht, Freude, Ärger) und verhält sich diesen Zuständen entsprechend in der Außenwelt. Jede Tierart (die Ente ebenso wie das Huhn, der Frosch oder der Schmetterling) lebt sich dar und aus, entsprechend ihrer Eigenart (Charakter), und genießt sich darin selbst in einer Art ursprünglichem, naturhaftem Egoismus. Man muss nur beobachten, wie z.B. die Schwalben ihre Wesen in ihren weiten Flugbahnen ebenso genießen, wie die Enten ihr andersartiges Wesen im Wassergeplätscher. Man erkennt dann klar: Jedes Naturwesen erlebt und genießt sich mit naiver Selbstverständlichkeit in seinem jeweiligen Dasein, und eben diese Selbstverständlichkeit gehört zum gattungsgebundenen Wesen der Natur.

Auch der Mensch ist nun zunächst ein solches träumerisch-erlebendes und sich darlebendes Naturwesen. Aber er ist es nur zunächst und bis zu einem gewissen Grade, und zwar erstens als kleines Kind, zweitens als Mensch fernvergangener mythischer Urzeiten oder gegenwärtiger Naturvölker, drittens als als erwachsender Europäer, wenn er sich hemmungs- und verantwortungslosen Stimmungen hingibt, also z.B. von Alkohol oder Leidenschaften berauscht ist. Überall da hat er wohl, wie auch die Tiere, Bewusstsein, nicht aber Selbstbewusstsein.

Ein Mensch kann nun z.B. seine furchtsamen, reizbaren, misstrauischen oder gewalttätigen Stimmungen einfach erleben und besitzt dann, wie auch das Tier, Bewusstsein. Es kann aber auch darüber hinaus zu einer Art plötzlichem Erwachen kommen, wo er sich dann, zu seinem mehr oder wenigem großen Erschrecken, wie im Spiegel sieht und sich sagt: „Sieh mal einer an! Solche Stimmungen leben also in dir! Bisher kanntest du nicht die eigentlichen Motive deines Handelns, ja, meintest sogar, alles aus selbstloser Liebe für die Mitmenschen zu tun. Nun aber siehst du ganz andere Triebkräfte in dir am Werke! Bisher dachtest du z.B. dein einsames Leben beruhe auf stolzer Überlegenheit, jetzt musst du entdecken, dass Unsicherheit und Angst vor Versagen dich von froher Geselligkeit fernhielten und dir die Maske der Unnahbarkeit aufzwangen etc.!“ Oder Eltern sagten sich: „Bisher hielten wir unsere Tochter bei uns im Hause zurück, weil sie uns unselbständig erschien, und wir ihr daher die Härten des Lebens ersparen wollten. Nun aber müssen wir zu unserem Erstaunen entdecken, dass wir selbst es waren, die sie, allerdings in unbewusster Absicht, kindlich und unselbständig erhielten und sie nicht wegließen, weil wir darin unsere eigene elterliche Unentbehrlichkeit stolz genossen, auch nicht gern allein zurückbleiben wollten und schließlich auf unseren zukünftigem Schwiegersohn sogar eifersüchtig waren“.

Im weiteren Verfolge solcher schmerzhafter Akte des Selbst-Bewusstseins ergibt sich dann, dass ein Mensch diese seine Charaktereigenschaften nicht nur einfach „hat“ (wie ein Stein seine Härte) und „auslebt“ (wie ein Stier seine Wildheit), sondern dass er um sie in immer vollerer Klarheit „weiß“ und sie „schaut“. Nun muss man sich aber darüber deutlich sein: Schauen kann ich nur etwas von dem ich frei wurde. Schaue ich also letztlich mein eigenes Wesen, so muss ich mich gleichzeitig davon losgerissen haben, um es nun, wie von außen und wie von einem göttlichen Standpunkt aus, anschauen zu können.

Dies aber ist „Freiheit“ im strengsten Wortsinne, Freiheit von sich selbst und von seinem Charakter. Solches Wissen um meine wahren Motive beseitigt freilich zunächst – ebensowenig wie ein Spiegel – meine Charaktereigenarten, lässt mich vielmehr – auch wie ein Spiegel – meine Gebundenheit durch meinen Charakter nur um so deutlicher sehen und beklagen. Selbsterkenntnis macht mich also wohl irgendwie frei von mir (sonst könnte ich es nicht erblicken), stellt aber andererseits mit unerbitterlicher Härte fest: So bist du! Das sind deine wahren Motive und Ziele!

Freiheit als wissende Überschau stellt also eine Notwendigkeit fest, die wir als Charakter und Schicksal in uns tragen. In dem Augenblicke jedoch, wo wir um eine gewisse Notwendigkeit wissen, haben wir die Möglichkeit, unser weiteres Verhalten danach einzurichten. Wer z.B. als Reiter die Eigenheiten seines Pferdes kennt, wird es leichter seinen Zielen dienstbar machen, als der Unkundige. Kann sich nun also ein Mensch sagen: „Schön! Ich neige also zu einer gewissen Scheu, Aufgaben und Verantwortung auf mich zu nehmen, obgleich ich fachmännisch der Sache voll gewachsen bin. Auch bin ich leicht misstrauisch und fühle mich zurückgesetzt. Dieses Wissen um meine Eigenheit aber kann mir nun gerade helfen, meine Hemmungen zu überwinden, ja selbst meine übertriebene Empfindlichkeit so zu wenden, dass sie aus einem Fehler zu einer positiven Kraft (z.B. zur Kraft peinlichster Gewissenhaftigkeit) wird.“ Selbsterkenntnis gibt uns also die Möglichkeit, unser Kräfte sowohl, als unsere Schwächen, wie Werkzeuge so zu handhaben, dass daraus das Bestmögliche entsteht. Wir selbst sind dann Reiter und Pferd zugleich.

Nun aber geschieht noch ein Wunder: Wer sich nämlich im Spiegel des Selbst-Bewusstseins schaut, bleibt gar nicht derjenige, der er früher war, sondern verändert langsam sogar seine Charaktereigenschaften. Deshalb sagt man auch wohl zu einem Unbeherrschten: „Ich wollte, du könntest dich jetzt selbst im Spiegel sehen!“ Weil wir aus eigener Erfahrung wissen: Charaktereigenschaften (Affekte, Triebe etc), um die ich weiß (!), die haben etwas von ihrer zwingenden Gewalt verloren. Das bloße Sich-im-Spiegel-sehen erzeugt schon Gefühle der Scham oder Lächerlichkeit und wir können so auf Grund der Selbst-Erkenntnis unmittelbar an unsere Selbst-Verwandlung gehen. In der Selbst-Verwandlung wirkt aber dann ein höherer Grad von Freiheit, nämlich nicht mehr nur die Freiheit des Zu-Schauens (als Bild im Spiegel), das mich gerade meine charakterlichen Gebundenheiten schreckhaft sehen lässt, sondern hier wirkt Freiheit als substanzhafte Kraft des Selbst-Ergreifens und Selbst-Gestaltens. Hier weiß ich dann auch unmittelbar: „Ich bin Selbst-Schöpfer meines ganzen Wesens, weshalb auch das, was ich zunächst an meinem Charakter und an meiner Konstitution als Naturnotwendigkeit empfinde, doch letztlich auf meine freie Selbst-Schöpfung zurückgeht.“

(Otto J. Hartmann „Der Mensch als Selbstgestalter seines Schicksals“)




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