"Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch, und ich fülle auf das Fehlende an den Bedrängnissen des Christos in meinem Fleisch für seinen Leib, dessen Diener ich wurde nach der Verwaltung Gottes, der mir gegeben für euch, zu erfüllen das Wort Gottes, das Geheimnis, das verborgene vor den Aionen und vor den Geschlechtern - jetzt aber wurde es offenbart seinen Heiligen, denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnis unter den Heiden ist, das ist CHRISTOS IN EUCH, die Hoffnung der Herrlichkeit; den wir verkünden, mahnend jeden Menschen und lehrend jeden Menschen als Vollkommene in Christos; dazu auch mühe ich mich, kämpfend nach seiner Wirksamkeit, der wirkenden in mir in Kraft." (Kolosserbrief 1, 24 - 29 / MNT)

Auch wenn der Text erst einmal ziemlich fremd klingt und nicht so einfach lesbar erscheint - das "Münchener Neue Testament" ist ein anerkanntes katholisches Projekt, das versucht so textnah zu bleiben wie möglich, auch grammatikalisch.

Es ist für viele Christen ungewohnt, nicht vom "lieben Gott" zu lesen und ihn irgendwo "im Himmel" zu vermuten, sondern einen Text in dem das Leiden gepriesen wird und Gott in einem selber sein soll. Es gibt deren Bibeltexte in Hülle und Fülle - vor allem, wenn keine "Lehramtsbibeln" gelesen werden (ob nun evangelikal, evangelisch, oder katholisch).
Der obige Text beschreibt das (schmerzhafte) Leiden als sinnvoll, stellt das eigene Leben in die Verantwortung eines anderen, findet in unserer Persönlichkeit (soweit wir "Heilige" sind) einen anderen, fordert zum Kampf auf und ordnet die dafür nötige Kraft auch noch einem anderen - als mir selber - zu. Passt eigentlich nicht mehr in den heutigen Zeitgeist, der Persönlichkeitsentwicklung, der Freiheit und der Toleranz...



Die konventionelle Sicht

In der Ikonen Malerei gibt es die "Maria orans", oder "Gottesmutter Orante", die mit aufgerichteten Armen ein Christus-Medaillon auf der Brust trägt, oder ein rundes Christus-Medaillon im Herzbereich. Eine solche Ikone ist mein Eigen und auf diesem Vorbild entstand das Bild.

Das "Christus in Euch" in der - als weiblich - gedachten menschlichen Seele, die, offen für den Heiligen Geist, den Christus in sich trägt und auf das Leiden Christi ausgerichtet ist.
Das  entspricht vielen konventionellen christlichen Vorstellungen. Der Heilige Geist wirkt in der menschlichen Seele, wenn sie sich auf Christus und seine Vorbild ausrichtet und in Weltabkehr und betrachtender Besinnung ihr Heil im Himmelreich sucht.
Das Bild hat jedoch drei Teile, die jeweils für sich stehen:

Der Geistteil mit der heiligen Geistkraft (Taube) und dem Christusmedaillion
Die sich besinnende und trauernde Seele
Das Kreuz mit seinen Blüten.

Leib / Seele / Geist. Das Leben des Christus wird historisch und leiblich auf einen bestimmten Menschen vor 2000 Jahren wahrgenommen, die Seele leidet für sich und ist eigentlich von ihrem inneren Geistwesen getrennt. Gott wirkt war in der Seele, aber er durchdringt sie nicht.




In der Neuoffenbarung Lorbers, ist das Ziel dieser Schöpfung eine eigenständige und handlungsfähige Seele. Die entsteht dadurch, das ein göttlicher Geistfunke (Gott von Gott) aus der Seelensubstanz der Erde (dazu gehört das Mineral, Pflanzen und Tierreich) sich - über einen langen Zeitraum ("kein Wesen ist jünger als die Schöpfung")  eine Seele schafft. Beginnend im Strukturbereich des Mineral, weiter im Lebensbereich der Pflanzen und schließlich im bewegenden emotionalen des Tierreiches. Die Menschenseele ist also ein ganz individuelles "Gemisch" unterschiedlicher Seelen, bis hinauf ins Tierreich, die sich der Geistfunke nach und nach um sich legt. (der Stier - als Symbol eines Seelenanteiles - im Bild)
Ist diese Seele eigenständig und vollständig, dann wird sie als Mensch geboren und kann sich entweder vollständig als eigenständige Seele ausleben (fleischlicher Mensch) oder den Geistfunken in ihr folgen, diesen wachsen und die "Herrschaft" übernehmen lassen (geistiger Mensch).
Lässt sie den Geist in sich wirken, dann wird sie zum "Kind" Gottes und Geist und Seele sind fähig dem Auferstandenen "in den Himmel" nachzufolgen und im Himmelreich ihre Aufgabe zu erfüllen.

Dann ist die Menschenseele ein Tempel des Geistes und der "Geist" in ihr.

Dieser Prozess ist im Bild als Kreuzigung im Kelch (Seele) dargestellt und andererseits in den beiden offenen Händen, die "von oben" empfangen, sowie in der Menschengestalt - dem geistigen Menschen - der "nach oben" aufsteigt.

Das Bild folgt der mystisch-christlichen Tradition.




Viereck und Dreieck - der klassische griechische Tempelbau. Das Viereck steht für die Erde (und ihren vier Himmelsrichtungen, vier Elementen usw) und das Dreieck für das Göttliche und die Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) im Christentum für die göttliche Trinität.
In der Mitte die Menschenseele in ihrer psychosomatischen Einheit - die Form eines verwurzelten Baumes - die in sich ein menschliches Ich-Bewusstsein entwickeln konnte und aus diesem Selbst-Bewusstsein heraus sich dem Göttlichen öffnet.
Die beiden Geist-Wesen symbolisieren die Führung durch den göttlichen Geistkeim und den Schutz-Engel.
Der Kreis stellt das Göttliche dar. Allerdings mit einem gleichseitigen Kreuz, das sich auf die Erde bezieht. Die Erde als Wohnort des Göttlichen. Die Ausrichtung der eigenständig gewordenen Seele (der Tempel) mit ihrem "inneren Menschen" ist also nicht eine weit entfernte Himmelswelt, sondern die Erde, der Alltag, das Leben in seiner gesamten Dimension.



Kristus




Oder: Der Mensch




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