Die Entstehung des Kosmos in der nordischen Mythologie
(und dem Rig-Veda = Hinduismus)


Bild:
In der Schöpfungsmythologie der Edda sind es drei "Urgötter" (Asen) - die "diesseits" der Schöpfung geboren wurden und die (sichtbare) Welt schufen.
Wodan (Atem, Odem) Wili (Wille) Weh (Weihe / Segnung) "opferten" das erste Wesen, den androgynen Ur-Riesen Ymir (in den Veden ist das Purusha) und gestalteten aus ihm unseren Kosmos.
Im Bild symbolisieren die drei Kugeln diese Drei - als einheitliches Handeln (ein Gesicht) und Ymir umgeben vom Tierkreis, umschließend den Runenkreis.


Die Entstehung der Welt
(aus der Prosa-Edda)

Wandermut fragte: Was war vor dem Anfang? Oder, wie begann das alles? Was war zuerst?
Der HOHE antwortete: So war es, wie gesagt ist in dem Lied von der Seherin Gesicht:

„Im Alter noch war es, als alles nicht war,
nicht Sand war; noch See; noch kühlende Wogen,
Noch Erde noch war, noch oben der Himmel,
nur gähnender Abgrund und nirgends ein Gras

EBENHOCH fügte hinzu: Manche Zeitalter hindurch, bevor noch die Erde geschaffen war, bestand schon Nebelheim. In seiner Mitte quillt ein Brunnen, Springkessel (Hwergelmir) genannt, und aus ihm entströmen zwölf Ströme mit heiligen Namen.
Der DRITTE aber schloss: Noch vor Nebelheim bestand eine Welt, die Flammenheim (Muspelheim) heißt; diese ist hell und heiß, sie loht und brennt, und bleibt unnahbar allen denen, die in ihr keine Heimat haben. Schwarz nennt er sich, der dort sitzt an seines Reiches Grenze; er hält ein lohendes Schwert in der Hand, und am Ende der Welt wird er kommen und heeren und besiegen alle Götter und brennen alle Welten mit Feuer. So heißt es davon in dem Liede von der Seherin Gesicht (Völuspa):

Von Süd fährt der Schwarze mit sengenden Flammen,
es funkelt sein Schwert wie die Sonne der Schlachten,
Felsen zerreißen gleich fallenden Riesen,
Hel schlingt die Menschen; der Himmel weit klafft.“

Wandermut fragte weiter: Wer kam und ging, bevor es Wesen gab und Menschenvolk sich mehrte?
Der HOHE antwortete: Jene Ströme, die wir Wellen der Kraft und der Helle nennen, waren so weit von ihrem Ursprung fortgekommen, dass die Kältewelle, die sich mit ihnen fortwälzte, erhärtete wie der Sinter, der aus dem Feuer fällt. Da wurden die Ströme zu Eis, und weil dieses Eis stille stand und sich nicht mehr bewegte, so gefroren die Ströme übereinander. Die Feuchtigkeit aber, die aus dieser Kälte entstand, gerann ebenfalls zu Eis, und so schob sich das Eis über die Kluft, welche klaffende Gähnung, das Nichs, war.
EBENHOCH  fügte hinzu: Der Teil des Weltabgrundes nach Norden nun füllte sich ganz mit der Menge und Schwere des Eises und Reifes, und darin trieb es von Gischt und Gascht, der Teil aber des Weltenabgrundes nach Süden wurde linder durch die Funken und Gneister, die von Flammenheim herüberflogen.
Der DRITTE aber schloss: So wie die Kälte Nebelheim entstammt und alle wilden und starken Dinge, so war der Teil gegen Flammenheim warm und licht, so lau wie windstille Luft. Als nun der Sprühreif dem Hauch der Wärme begegnete , so dass er schmolz und tropfte, da gewannen die gefallenen Tropfen Leben und ward eines Menschen Gestalt und nannte sich Immer (Ymir). Aus ihm erwuchs das Geschlecht der Eisriesen, und die nennen ihn Urgewalt.“ ....
Wandermut fragte nun: Wie vermehrte sich aber sein Geschlecht? Oder wie ging das zu, das später so viele Riesen wurden? Oder hälst du ihn für einen Gott?
Der HOHE antwortete: Mitnichten besahen wie in ihm einen Gott, denn er war böse wie seine ganze Art, die wir Eiriesen nennen. So verlautet: als er einst schlief, begann er zu schwitzen, und da wuchs ihm unter dem linken Arm ein Männliches und ein Weibliches heraus und sein einer Fuß zeugte mit dem anderen einen Sohn
Da fragte Wandermut: wo wohnte Immer und wovon lebte er?
EBENHOCH antwortete: Das nächste war, dass das Eis weiter abtropfte, und sich in eine Kuh wandelte, die Überfluss hieß, und vier Milchströme rannen aus dem Strich ihres Euters und ernährten den Immer.
Da sprach Wandermut: Wovon aber ernährte sich die Kuh?
Der DRITTE antwortete: Sie beleckte die Eisblöcke, die salzig waren, und am ersten Tag, da sie die Eiblöcke beleckte, kam aus ihnen am Abend eines Mannes Haar hervor, den anderen Tag eines Mannes Haupt und den dritten Tag war es ein ganzer Mann; der hieß, der Geborene. Er war hell von Antlitz, groß und stark und gewann sich einen Sohn (mit einer Töchter von Immer), den er den Ebenbürtigen nannte. Dieser machte zu seiner Frau Bestla, das heißt die Bastknüpferin, des Riesen Bösdorn Tochter, und zeugte mit ihr drei Söhne: der eine heißt Odem, oder Odhin, oder Wotan und hat noch viele Namen, der andere heißt Wille, der dritte Weh (Weihe). Und das ist mein Glaube, dass dieser Odem und seine Brüder Himmels und Erde walten: dessen gedenken wir, wenn wir ihn anrufen! So nennen wir den Gott, den wir als den größten und mächtigsten erkennen.
Wandermut fragte: Wie ward nun das Verhältnis zwischen ihm und Immer, und welcher blieb der Mächtigere?
Der HOHE antwortete: Des Ebenbürtigen Söhne töteten den Riesen Immer...
Da fragte Wandermut: Und was vollbrachten die Söhne des Ebenbürtigen, das du glaubst, sie seien Gott?
Der HOHE antwortete: Darüber ist nicht wenig zu sagen: Sie nahmen Immer und trugen ihn mittten in das Nichts, den gähnenden Weltenraum und bildeten aus ihm die Welt....(Gylfagynning (Prosa-Edda) Kap. 4 ff.)



Die Schaffung des Menschen

Wandermut fragte: Woher kamen die Menschen, die diese Erde bewohnen?
Der HOHE antwortete: Einst als die Söhne des Ebenbürtigen zum Meerestrande gingen, fanden sie zwei Bäume. Sie hoben sie aus und schufen Menschen daraus. Gab ihnen Wotan, der erste, den Odem (Inspiration, Geist, Ruach) und Leben, Wille, der zweite, Verstand und Bewegung. Weh (geweihter Ort, geweihte Heilige Flamme) der dritte, Gestalt, Sprache, Gehör und Gesicht. Sie gaben ihnen auch Unterscheidung und Namen, hießen sie Ask und Embla und von ihnen stammt das Menschengeschlecht. (Gylfyginning 9)


Die Schöpfung des Kosmos
(aus dem Rigveda)

Die Entstehung des Kosmos

1
„Weder Nichtsein noch Sein war damals;
nicht war der Luftraum, noch der Himmel drüber.
Was strich hin und her? Wo?
Wer hielt in Hut die Welt; wer schloss sie ein?
Wo war der tiefe Abgrund, wo das unergründliche Meer?
2
Nicht war Tod damals, noch Unsterblichkeit,
nicht war die Nacht, der Tag nicht offenbar.
Es hauchte windlos in Ursprünglichkeit
das Eine, außer dem kein anderes war.
3
Im Anfang war nur Finsternis
wie ein Ozean, ohne Licht, in Nacht verloren;
Da ward das Eine, das in die Leere eingeschlossen war,
das Lebenskräftige, durch die Macht des heißen Verlangens geboren.
4
Aus diesem ging hervor, zuerst entstanden,
als der Erkenntnis Samenkeim, die Liebe;
im Herzen forschend fanden die Weisen
des Daseins Wurzelung im Nichtsein.
5
Als quer hindurch sie ihre Messschnur legten,
was war da unterhalb, was war da oben?
Keimträger waren da, Kräfte, die sich regten
Unterhalb war der Trieb, oberhalb die Gewährung.
6
Doch wem ist auszuforschen es gelungen,
wer kann verkünden, woher die Schöpfung kam?
Nach der Schöpfung erst kamen die Götter in die Welt.
Wer weiß denn, woraus sie entstanden, woher sie kamen?
7
Er, der die Schöpfung hat hervorgebracht,
der auf sie schaut im höchsten Himmelslicht,
der sie gemacht hat, oder nicht gemacht,
der weiß es! - Oder weiß auch er es nicht?“

Die Götter entstammen "diesseits", oder mit der Schöpfung und die "Liebe" wird hier in ihrer ursprünglichen Form, dem Begehren, wahrgenommen

Noch schöner und bildhafter ist dies in der ersten Rune des Kalewala dargestellt:

 



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