Archetypen

Im Folgenden werde ich weniger etwas zu den Bildern selbst schreiben, sondern zu den Archetypen als solche. Archetypen sind (nach C.G. Jung) die Grundstrukturen der Psyche, welche aus den unteren Schichten heraus das Bewusstsein beeinflussen (können). Allerdings antwortet dieses Bewusstsein entsprechen ihrer sozialen (und kulturellen) Prägungen unterschiedlich darauf. Der Archetyp der Schlange (den ich ich sehr viel verwende) ist dafür ein gutes Beispiel. Ebenso der Archetyp der "Mutter". Dieser geht tiefer als die persönliche Mutter-Beziehung, sondern umfasst als "Große Mutter" auch die Natur, die Göttin und die Aspekte des Weiblichen als solchen. Ein Bewusstsein, das im christlichen Kulturkreis aufgewachsen ist, kann hier mit Ablehnung reagieren, weil im Christentum Gott männlich ist, die Natur (als gefallene, sündhafte Welt) abgewertet wird und das Weibliche nicht unbedingt eine gleichwertige Stellung wie das Männliche besitzt.
Die Bilder (und die kurzen Texte) möchten da einen anderen Blickwinkel zeigen, der (vielleicht) ungewohnt ist, aber evtl helfen kann, die eingefahrene und persönliche Sichtweise des EGO zu erweitern und tiefere (allgemein-menschliche) Empfindungen und Gedanken ins Bewusstsein aufsteigen zu lassen.



Die Schlange




Das Ei und die Schlange
Der Brunnen und die Schlange
Die Schlange und das Ei
Graphitstift auf weisem Papier
Der Archetyp der Schlange ist ein sehr umstrittener. In vielen Kulturen wird dieses Tier positiv wahrgenommen - in unsere (christlich geprägten) negativ. Sie gehört zu den vegetativen Prozessen, den Trieben und Leidenschaften und verursacht bei vielen Menschen Angst und Abwehr. Dieses Schlängeln, die Lautlosigkeit, das Gift und / oder das Umschlingen sind alle beklemmende Vorstellungen. Allerdings häutet sich die Schlange und symbolisiert damit die Verjüngung und das Sprengen von festen Grenzen.
Im Hinduismus symbolisiert die Kundalini-Schlange das Energiepotential, das im unteren Chakra schlummert und "erweckt" werden kann, so das diese Energie den Menschen belebt und "erleuchtet". Symbolisch wäre dies dann das Ei (Schlangen legen Eier). Dieser Sicht zugrunde liegt eine positive Bewertung der Lebenskräfte des Menschen, welche im psycho-somatischen (seelisch-körperlich) Bereich seines Wesens wirken und diesen mit der Natur (der Großen Mutter) verbinden. Auch der Brunnen weist auf das "Unten", das Grundwasser, die Lebensadern.

Das Schicksal




Urd (das Schicksal)
die drei Nornen
der Nornenfaden
In der europäischen Mythologie wird das Schicksal durch die drei Nornen (Urd = Vergangenheit / Werdandl = die Gegenwart / Skuld = die Zukunft) personifiziert. Erst durch diese drei entstand die Zeit und selbst die Götter unterliegen ihrer Gestaltung. Alle Wesen sind Teil des Gewebes, das diese drei Wesen weben. Im linken Bild sind die drei Runen Ur, Isa und thur als Ursprung, gegenwärtiges Ich-bewusstsein und Zukunftswille mit den drei Gesichtern verbunden. Im mittleren Bild das Thema "hemmen - bergen - helfen" und im rechten der Faden des Schicksals, den jeder auf seine Weise ergreift.
Im Gegensatz zur Vorstellung der Vorherbestimmung durch einen Gott, bildet hier das Gewebe (Tantra im Buddhismus / Hinduismus) in dem alle Wesen eingeflochten sind, den Ausgangspunkt. Dieses Gewebe ist veränderbar (durch die Gegenwart) und entfaltet sich durch das Tun der Wesen. Es ist also etwas Lebendiges, das sich im Werden und in der Entwicklung befindet.

Die Große Mutter




das Leben der Großen Mutter
Die Schöpfung der Großen Mutter
das Wirken der Großen Mutter
Die Identifizierung von Leben und Weiblichkeit, Natur, Fruchtbarkeit und den weiblichen Gottheiten, von Freya, Demeter bis Maria ist alt und im Christentum wurde daraus auch Ablehnung und Verteufelung. Das rechte Bild verwebt verschiedene Lebensprozesse mit der Großen Mutter, das mittlere stellt nicht einen Gottvater, sondern eine Göttin (und ihren Aspekt der Schlange) in den Mittelpunkt der Schöpfung. rechts die Große Mutter als Korngöttin.

Mutter und Sohn



Geburt
Befreiung
Eigenständigkeit
Im christlichen Denken ist die Beziehung von Vater und Sohn prägend, diese geschieht von oben, durch die Taufe und die Lehre und die Unterweisung usw. Die Geburt des ICH aus der Menschenseele ist dagegen etwas natürliches und individuelles, welches dem Jahreslauf entspricht. (Nach der längsten Nacht die Geburt - christliches Weihnachtsfest - danach die Befreiung aus der Fesselung des Winters und die Mannbarkeit - Ostern)

Der Sohn


Der Narr (Ego)
Tod und Auferstehung
ICH-BIN
Der Narr braucht sein Publikum, Opfer benötigen keines. Sie geschehen in der eigenen Seele und nur dort ist die Wandlung vom EGO (dem gebundenen Bewusstseinszentrum) zum ICH-BIN (dem selbstbewussten Zentrum) möglich

Die Götter




Freyr und Freya
Trinität
Thor und Sif
Die Götter sind Aspekte des Großen Lebens und entsprechend der Vielfalt dieses Lebens in der Natur und in der eigenen Psyche. Die drei Bilder entstammen der nordischen Mythologie mit den entsprechenden Symbolen. Hier geht es nicht um den Einen Gott und seinen Gegenspieler. Das Christentum als Verbreiterin des Jahwe-Kultes hat natürlich alle anderen Götter verteufelt und dämonisiert und wer sich mit diesen alten Archetypen wieder auseinandersetzen möchte, der sollte vor allem eine Beziehung zur Natur aufbauen, der äußeren wie der inneren. Im linken Bild ist das Thema der Fruchtbarkeit (nicht der Sexualität) in Form der beiden Wanengötter Freyr und Freya verarbeitet. Zu Freyr gehört das Geweih des Hirschgottes (männliche Stärke und Kraft) und zu Freya die Geburtsprozesse. Die Schlange entwickelt sich innerhalb des Lebensprozesses (nach oben) und gibt ihre Erfahrung zurück. Das Gesamtsymbol ist die Fehu-Rune. Rrechts ist der Mjöllnir (der Hammer Thors) das Gesamtsymbol in dem der alte Himmelsvater (Thor) seine Frau Sif (Getreide, Sippe) und das tote Samenkorn (Leichnam) in der christlichen Variation dargestellt sind. Geburt, Tod und Auferstehung (die Flammen). In der Mitte die Trinität von Freyr, Odin und Thor. Der Speer und der Hammer sind, neben dem Geweih, Symbole die mit bestimmten Archetypen verbindbar sind.



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